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Aktualisierte DEGAM-Leitlinie zum Schutz vor Über- und Unterversorgung

Wir haben für die aktualisierte DEGAM-S2e-Leitlinie Schutz vor Über- und Unterversorgung – gemeinsam entscheiden einen neuen Artikel angelegt, der nur Inhalte und Empfehlungen dieser Leitlinie enthält. Da die neue Leitlinie eine sogenannte Living Guideline ist, die regelmäßig überarbeitet wird, ist unser Artikel so gestaltet, dass auch darin die Leitlinien-Empfehlungen kurzfristig geändert und angepasst werden können. Die DEGAM plant eine komplette Revision der Leitlinie im März 2023. Für eine bessere Einordnung und Nutzbarkeit haben wir die Empfehlungen jeweils mit unseren Artikeln zu den betreffenden Krankheitsartikeln verlinkt. Beispielsweise können Sie also von den Empfehlungen zu Halsschmerzen direkt zu unserem entsprechenden Artikel Halsschmerzen springen.

Die DEGAM will mit ihrer Leitlinie eine „Sicherstellung einer qualitativ hochstehenden Versorgung durch ressourcenschonende Vermeidung unnötiger und schädlicher medizinischer Maßnahmen“ erreichen. Die Umsetzung der Leitlinienempfehlungen soll zu einer Vermeidung von Über-, Unter- und Fehlversorgung beitragen. Die Leitlinie enthält ausgewählte Empfehlungen und Stellungnahmen aus verschiedenen anderen DEGAM-Leitlinien sowie aus Nationalen VersorgungsLeitlinien (NVL). Dabei wurden laut Leitlinienautor*innen Empfehlungen priorisiert, die klar formuliert sind, und bei denen es trotzdem nach wie vor an der breiten Umsetzung im Praxisalltag mangelt.

Neu sind einige Empfehlungen aus der DEGAM-Leitlinie „Halsschmerzen". Dazu gehören unter anderem folgende Negativempfehlungen: Die Bestimmung von Laborparametern [...] sollte im Rahmen der Diagnostik bei Patient*innen mit akuten Halsschmerzen ohne Red Flags nicht routinemäßig erfolgen. Bei Kindern und Jugendlichen (Alter ≤ 15 Jahre) mit akuten Halsschmerzen ohne Red Flags sollte bei einem negativen Schnelltestergebnis für Gruppe-A-Streptokokken auf eine antibiotische Therapie verzichtet werden. Außerdem soll das Lutschen von medizinischen Lutschtabletten mit Lokalantiseptika und/oder Antibiotika zur lokalen Schmerzlinderung nicht empfohlen werden.

Auch Empfehlungen aus der DEGAM-Leitlinie „Akuter und chronischer Husten“ wurden neu mit aufgenommen, z. B. diese Negativempfehlungen: Bei klinischer Diagnose einer Erkältungskrankheit oder einer akuten Bronchitis soll bei erwachsenen Patient*innen ohne Red Flags auf Blutuntersuchungen, Sputumdiagnostik und Röntgenthoraxntgen-Thorax-Aufnahmen verzichtet werden. Die Erkältungskrankheit und die akute Bronchitis von erwachsenen Patient*innen ohne Red Flags sollen nicht mit Antibiotika behandelt werden.

Bei den ebenfalls neu priorisierten Empfehlungen aus der NVL „Diabetes“ liegt der Schwerpunkt unter anderem auf der partizipativen Entscheidungsfindung bei der Vereinbarung von Therapiezielen bei Typ-2-Diabetes, auch auf der Basis eines vereinbarten HbA1c-Zielkorridors. Eine Therapie-Deeskalation, auch der Insulintherapie, oder eine Veränderung der Therapiestrategie sollen regelmäßig geprüft werden.

Aus der NVL „Chronische KHK“ werden neuerdings unter anderem Konstellationen genannt, bei denen eine Koronarangiografie nicht durchgeführt soll, wie eine niedrige Wahrscheinlichkeit für eine stenosierende KHK oder eine hohe Komorbidität, bei der das Risiko einer Koronarangiografie größer ist als der Nutzen durch die Sicherung der Diagnose und hieraus resultierende therapeutische Maßnahmen.

Neu berücksichtige Empfehlungen aus der DEGAM-Leitlinie „Multimedikation“ beziehen sich z. B. auf eine strukturierte Medikationsbewertung mithilfe eines Instruments wie dem modifizierten Medication Appropriateness Index (MAI) (siehe S. 68). Dabei sollen unter anderem PIM-Listen, die anticholinerge Last, QTc-Zeit verlängernde Medikamente, Unterversorgung und Adhärenz berücksichtigt werden. Ein bundeseinheitlicher Medikationsplan ist das bevorzugte Format bei der Erstellung eines Medikationsplans.

Die Leitlinie Schutz vor Über- und Unterversorgung enthält, wie bisher auch, Empfehlungen aus den DEGAM-Leitlinien „Müdigkeit“, „Akuter Schwindel in der Hausarztpraxis“, „Schlaganfall“, „Pflegende Angehörige“, „Versorgung von Patienten mit chronischer nichtdialysepflichtiger Nierenerkrankung in der Hausarztpraxis“ und „Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention“ sowie der S3-Leitlinie „Demenzen“, der S3-Leitlinie „Prävention von Hautkrebs“, der NVL „Kreuzschmerz“ und der NVL „Unipolare Depression“.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

 

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Wir haben für die aktualisierte DEGAM-S2e-Leitlinie Schutz vor Über- und Unterversorgung – gemeinsam entscheiden einen neuen Artikel angelegt, der nur Inhalte und Empfehlungen dieser Leitlinie enthält. Da die neue Leitlinie eine sogenannte Living Guideline ist, die regelmäßig überarbeitet wird, ist unser Artikel so gestaltet, dass auch darin die Leitlinien-Empfehlungen kurzfristig geändert und angepasst werden können. Die DEGAM plant eine komplette Revision der Leitlinie im März 2023. Für eine bessere Einordnung und Nutzbarkeit haben wir die Empfehlungen jeweils mit unseren Artikeln zu den betreffenden Krankheitsartikeln verlinkt. Beispielsweise können Sie also von den Empfehlungen zu Halsschmerzen direkt zu unserem entsprechenden Artikel Halsschmerzen springen.
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