Was ist Leptospirose?
Leptospirose ist eine akute bakterielle Erkrankung des Menschen, die durch das Bakterium der Gattung Leptospira verursacht wird. Bei Leptospirose handelt es sich um eine Zoonose, d. h. die Krankheit wird von Tieren auf den Menschen übertragen. BeimZahlreiche MenschenTiere kannsind für den Erreger empfänglich, z. B. Hunde, Haus- und Wildschweine, Rinder und Pferde. Die größte Bedeutung als natürliches Reservoir haben Kleinsäuger, vor allem Nagetiere (Ratten, Mäuse).
Die infizierten Tiere sind oft selbst nicht erkrankt, können den Erreger aber jahrelang über den Urin ausscheiden.
Meist erfolgt die Infektion milddes undMenschen vonüber kurzerKontakt Dauerzu seininfektiösem Tierurin entweder direkt oder über verunreinigtes Wasser, aberSchlamm sieoder kannErde. auchAuch einendirekter schwererenKontakt Verlaufzum habeninfizierten Tier oder Tiergewebe sowie Tierbisse können die Erkrankung übertragen. Die KrankheitAufnahme wirddes Erregers in ersterden LinieKörper erfolgt dann in der Regel durch Wasserkleine Hautverletzungen, dasdurch die Schleimhäute von Auge, Nase und Mund, durch Inhalation oder Aufnahme mit dem UrinTrinkwasser.
Die infiziertermeisten Tiere verunreinigt ist, übertragen. Aus diesem Grund betrifft die Krankheit vor allem Menschen, die inKomplikationen der LandwirtschaftLeptospirose mitentstehen Wasserim arbeitenRahmen oderder inAbwehrreaktion verschmutztemdes Wasser badenKörpers.
Häufigkeit
Die KrankheitLeptospirose ist vermutlich eine der häufigsten Zoonosen weltweit mit geschätzten 1 Mio. Erkrankungen und 60.000 Todesfällen jährlich. Am häufigsten kommt weltweitsie in den Tropen und Subtropen vor, undtritt dieaber auch immer wieder in Ländern mit gemäßigtem Klima wie Westeuropa auf. Als Hauptrisikogebiete sind Zentral- und Südamerika, Karibik,gelten Südostasien, Indien, Lateinamerika, Ozeanien und die pazifischen InselnAfrika. DieAusbrüche Infektionwerden bricht verstärktinsbesondere bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen ausbeobachtet. InDie Regionenam mithäufigsten gembetroffene Altersgruppe sind die 20- bis 30-Jäßigtem,hrigen. westeuropZwei Drittel der erkrankten Personen sind mäischemnnlich. KlimaBesonders häufig kommt die Erkrankung seltenvor bei Berufsgruppen mit erhöhtem Risiko für Kontakte zu infizierten Tieren oder ihrem Urin (z. B. Kanalarbeiter*innen, jedochMitarbeiter*innen rechtin konstantVeterinärwesen, vorLandwirtschaft, Tierhaltung).
In Deutschland
SeitIn demDeutschland Jahrliegt 2000die wurdenInzidenz bei etwa 0,1 Erkrankungen pro 100.000 Einw., mit ca. 120–130 gemeldeten Fällen pro Jahr zwischen(Stand 372018). undBei 166etwa Leptospirose-40 % der Fälle gemeldet, im Durchschnitt sind mehr als drei Viertel der übermittelten Infektionen inist Deutschland erworben.Indas denvermutete letztenInfektionsland, Jahrenaußerhalb brachvon Deutschland wurde die Erkrankung mehrfacham unter auslhändischen Erdbeerpflückern aus. Außerdem traten nach Sportveranstaltungen (Triathlon) mehrere Fälle von Leptospirose auf, dieufigsten in Zusammenhang mit der Exposition zu verunreinigtem Flusswasser standen. Es wurde angenommen, dass besonders das Auftreten von Starkregen vor den Sportereignissen mit der Einschwemmung von Leptospiren aus dem Uferbereich oder der Kanalisation assoziiert war.Bestimmte Berufsgruppen wie Kanalarbeiter, Laborpersonal, in der LandwirtschaftLateinamerika und imAsien Veterinärwesen Tätige sind aufgrund des Kontakts mit von Nagerurin kontaminiertem Wasser oder durch den Umgang mit infizierten Nutztieren besonders gefährdeterworben.
Symptome
Die Inkubationszeit, d. h. die Zeitspanne zwischen Infizierung und Symptomauftritt, liegt meistensbei zwischen7–14 2 Tagen, undkann 4 Wochenjedoch auch wenige Tage bis zu 1 Monat betragen.
Die Symptome reichen von leichten grippeähnlichen Symptomen zu einer schweren und lebensgefährlichen Infektionskrankheit. 90 % der betroffenen Patienten erkranken an der milden Form, die spontan ausheilt. Vermutlich werden viele solcher leichter Fälle nie entdeckt oder diagnostiziert. Die schwere Form
Typisch ist eineein Sepsiszweiphasiger mitVerlauf, sehrwobei hohemes Fiebernach undeiner reduzierteminitialen Allgemeinzustandakuten undInfektionsphase kannca. im1 ExtremfallWoche zu Leber- und Nierenversagen oderspäter zu einer schwereren zweiten Krankheitsphase kommt, die durch die Abwehrreaktion des Körpers und die Erregerausscheidung im Urin gekennzeichnet ist. In der zweiten Phase kommt es zu den meisten Komplikationen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt die Leptospirose in 4 Kategorien ein:
- grippeähnliche Symptome (Mehrzahl, vermutlich 90 % der Erkrankungen)
- Morbus Weil (ca. 10–15 % der Patient*innen)
- eigenständig oder als 2. Teil einer biphasischen Erkrankung
- Nierenversagen
- Gelbsucht
- vergrößerte Milz
- Blutungsneigung
- Sterblichkeit über 10 %
- Meningitis/Meningoenzephalitis
- durch eine Abwehrreaktion des Körpers
- Kopfschmerzen, schmerzhafte Nackensteifigkeit, Lichtscheu, Bewusstseinsstörung
- Ausfälle des Nervensystems
- auch ohne Beteiligung anderer Organe
- Lungenblutung und Atemversagen
- diffuse Blutungen in der Lunge und Lungenversagen
- auch ohne Beteiligung anderer Organe
- häufig tödlich (50–75 %).
Andere mögliche Symptome sind Entzündungen des Herzmuskels bzw. des Herzbeutels, der Gallenblase oder der Bauchspeicheldrüse. Blutungen treten nicht nur in der Lunge auf, sondern auch in anderen Organen. Die Zellen der Skelettmuskulatur zerfallen (Rhabdomyolyse) und führen zu weiteren Komplikationen, wie z. InB. solchenNierenversagen.
Eine FällenAusheilung bestehtinsbesondere keinder Zweifelschwereren Formen kann langwierig sein, dassmit einer langsamen Besserung über bis zu 3 Monate.
Diagnostik
Bei Verdacht auf Leptospirose kann die PatientenDiagnose mittels direktem Erregernachweis aus Körperflüssigkeiten oder Gewebe und durch Blutuntersuchungen bestätigt bzw. erhärtet werden. Betroffene werden zur DiagnoseDiagnostik und Behandlung in eineine KrankenhausKlinik eingelieferteingewiesen. werdenJe müssennach Verlauf sind weitere Untersuchungen zum Ausschluss von Komplikationen notwendig.
Behandlung
BlutuntersuchungenZiel könnender Therapie ist die KrankheitHeilung schonder frühErkrankung aufdeckenund die Vermeidung von Komplikationen. WennEinheitliche Empfehlungen für die Behandlung mit Antibiotika (Penicillin) früh begonnen werden kann, ist die Prognose sehr gut. Wird die Krankheit jedoch nicht rechtzeitig diagnostiziert, kann die schwere Form tödlich sein – die Letalität liegt hier bei ca. 5 %. Die milde und übliche Form der Leptospirose gibt es bisher nicht. Nach dem Ratgeber des Robert Koch-Instituts besteht insbesondere in der Frühphase der Infektion eine Indikation zur Antibiotikatherapie. Insgesamt wird eine Antibiotikatherapie bei Leptospirose kontrovers diskutiert.
Nach Einleitung einer Antibiotikatherapie werden die Patient*innen engmaschig überwacht, da es zur sog. Jarisch-Herxheimer-Reaktion kommen kann (ca. 7–20 % der Fälle). Sie geht mit Fieber, Schüttelfrost und niedrigem Blutdruck einher.
Zusätzlich erhalten Betroffene mit Leptospirose eine symptomatische Therapie mit Flüssigkeitsgabe und Medikamenten gegen Schmerzen und Fieber. Bei schweren Verlaufsformen ist harmlosin der Regel eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich, da es zu einer raschen Verschlechterung kommen kann.
Eine Isolation von Erkrankten ist nicht erforderlich.
AutorenWeitere Informationen
Philipp OllenschlägerTierbisse,Medizinjournalist,ErsteKölnHilfe- Antibiotikatherapie
- Leptospirose – Informationen für ärztliches Personal
Autor*innen
- Hannah Brand, Cand. med., Berlin