Redeflussstörung: Stottern und Poltern

Zusammenfassung

  • Definition:Störungen der Rede- oder Sprechflüssigkeit mit überwiegend genetischen Ursachen.
  • Häufigkeit:Prävalenz des Stotterns unter Kinder und Jugendlichen im Alter von 2–18 Jahren bei etwa 1–1,4 %. Das männliche Geschlecht ist häufiger betroffen.
  • Symptome:Stottern führt zu typischen Unflüssigkeiten (Stotterereignissen), wie z. B. Blockierungen, Wiederholungen von Silben und Lautdehnungen. Beim Poltern zu schnelle oder irreguläre Sprechweise mit Auslässen oder Zusammenziehen von Silben. Begleitsymptome und Komorbiditäten umfassen Vermeidungsstrategien und Angststörungen.
  • Befunde:Bei der klinisch-neurologischen Untersuchung in der Regel keine auffälligen Befunde.
  • Diagnostik:Befragung der Bezugspersonen und Screening-Untersuchung. Weiterführende spezialisierte Diagnostik mit Beurteilung des Sprechens, Sprechproben und standardisierten Testverfahren.
  • Therapie:Bei hoher Rate an Spontanremission zunächst Beobachtung über 6–12 Monate. Bei ausbleibender Besserung oder sozioemotionaler Belastung bzw. Beeinträchtigung Therapieindikation. Wirksame Therapieverfahren umfassen Sprechrestrukturierung, Stottermodifikation, operantes Lernen und indirekte Verfahren.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Stottern und Poltern gehören zu den Redeflussstörungen, die die Kontinuität, Glattheit, Rate und/oder Anstrengung der Sprachproduktion betreffen.1-3
    • Stottern und Poltern sind nicht Teil der physiologischen Sprachentwicklung.3
  • Stottern1-4
    • Störung des Sprechflusses und des zeitlichen Ablaufs des Sprechens mit typischen Unflüssigkeiten (z. B. Wiederholung von Lauten oder Silben)
  • Poltern1-3
    • Störung des Sprechflusses mit zu schneller und/oder irregulärer Sprechweise (z. B. Zusammenziehen oder Auslassen von Silben)

Klassifikation der Redeflussstörungen1,3

  • Stottern
    • originäres Stottern
      • originäres neurogenes nicht-syndromales Stottern
        • häufig
        • Stottern seit der Kindheit ohne erkennbare Ursache
        • genetisch bedingte, zentralnervöse Störung des Sprechens und seiner Planung
      • originäres neurogenes syndromales Stottern
    • erworbenes Stottern
      • erworbenes neurogenes Stottern
        • selten
        • im Rahmen von organischen/funktionellen Hirnschädigungen
      • psychogenes Stottern
        • selten
        • nach psychischen Traumata oder im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen
  • Poltern

Häufigkeit

Stottern

  • Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen (2–18 Jahre) von 1–1,4 %1-2,5
  • Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen (3:2).1
  • Prävalenz bei Erwachsenen1-2,6
    • 0,2 % der Frauen
    • 0,8 % der Männer

Poltern

  • Keine präzisen Prävalenzdaten, jedoch vermutlich seltener1,3
  • In einzelnen Studien Prävalenzen bei Kindern von 1,1–1,8 %1

Ätiologie und Pathogenese

Ätiologie

  • Genetische Einflüsse1,3,7-10
    • hohe Erblichkeit (Heritabilität) des originären Stotterns (etwa 70–80 %)
      • besonders hohes Risiko für Söhne stotternder Frauen
    • Eine genetische Disposition ist auch beim Poltern anzunehmen.
    • Mittels molekulargenetischer Untersuchungen wurden zahlreiche Dispositionsorte für Stottern identifiziert.
    • Geschlechterdifferenzen hinsichtlich Häufigkeit und Remissionswahrscheinlichkeit beruhen auf genetischen Ursachen.
  • Umwelteinflüsse
    • vermutlich Ursachen der nicht-geteilten (individuellen) Umwelt1
  • Eltern-Kind-Beziehung
    • Der sprachliche Umgang mit dem Kind hat keinen primären Ursachenanteil.
    • Der Erziehungsstil (z. B. hohe Leistungsanforderungen) ist für die Entstehung nicht verantwortlich.
    • Eltern sollten hinsichtlich möglicher Selbstvorwürfe beruhigt werden, dass sie keine Schuld am Stottern des Kindes tragen.1
  • Psychogenes Stottern
    • selten, meist postpubertär3
    • meist im Rahmen eines Traumas oder einer psychiatrischen Grunderkrankung

Pathogenese

  • Die häufigste Form (originäres, neurogenes Stottern) ist eine zentralnervöse Störung der Sprechmotorikkontrolle und der Sprechplanung.1
  • Als Korrelate finden sich strukturelle und funktionelle Auffälligkeiten im ZNS.1-3
  • Gestörte Interaktion der auditorischen, somatosensorischen,
    sprechplanerischen und sprechmotorischen Neuronennetzwerke im Gehirn2-3
  • Die Folgen sind Schwierigkeiten im Sprechablauf, Sprechrhythmus, Sprechmotorik, Sprechatmung, Artikulation und Phonation.1
  • Hirnfunktionelle Auffälligkeiten beim Stottern nach erfolgreicher sprechflüssigkeitsherstellender Therapie möglicherweise rückläufig1

ICPC-2

  • P10 Stammeln/Stottern/Tic

ICD-10

  • F98 Andere Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
    • F98.5 Stottern
    • F98.6 Poltern

Diagnostik

Diagnostische Kriterien

  • Screening auf Stottern durch Befragung der Eltern in Kindervorsorgeuntersuchungen (U7a, U8, U9) und Screening-Instrumente2-3
  • Diagnosekriterien des Stotterns1,3
    • stottertypische Sprechunflüssigkeiten (Stotterereignisse) in mind. 3 % der gesprochenen Silben
    • Diagnosestellung möglich auch bei:
      • lang dauernden Stotterereignissen
      • emotionaler Belastung
      • Vermeideverhalten
      • Begleitsymptomen (z. B. Anstrengung, Mitbewegungen).
  • Beim Poltern gibt es bisher keine klaren Kriterien zur unzweifelhafte Diagnosestellung.1
    • Kombinationen aus Stottern und Poltern sind häufig.1

Differenzialdiagnosen

  • Nicht pathologische Sprechunflüssigkeiten1,3
    • Wiederholungen von Wörtern und Phrasen
    • Selbstkorrekturen (Revisionen)
    • Satz- und Wortabbrüche
    • gefüllte (z. B. „äh“) und stille Pausen
    • Dehnungen
    • Einschübe wie „na“ (Interjektionen)
    • Floskeln (z. B. „guck“)
  • Syndromales neurogenes Stottern1,3
  • Erworbenes neurogenes Stottern1
  • Psychogenes Stottern1
    • oft Stotterbeginn nach dem 12. Lebensjahr
    • in erster Linie Psychotherapie, ggf. ergänzende Sprachtherapie
  • Ticstörungen
  • Verhaltensstörungen1
  • Psychogene Redehemmung (totaler oder selektiver Mutismus)1

Anamnese

Zeitlicher Verlauf1

  • In 40–50 % der Fälle plötzlicher Beginn (innerhalb von 3 Tagen)
  • Alter bei Beginn
    • ab einem Alter von 2–3 Jahren
    • bei der Hälfte vor dem 4. Lebensjahr
    • bei 3/4 vor dem 6. Lebensjahr
    • fast immer vor dem 12. Lebensjahr
  • Fluktuation zwischen ausgeprägter und geringer Stotterhäufigkeit und -schwere bei Stottern häufig, bei Poltern seltener

Symptome des Stotterns1-3,11

  • Repetition von Lauten, Silben und einsilbigen Wörtern
    • z. B. „Bi Bi Bi Bitte!“, „A-a-aber", „mit-mit-mit dem Auto“
  • Wortunterbrechungen
    • z. B. „Regen ... tonne“
  • Lautdehnung
    • z. B. „LLLLLass mich in Ruhe!“
  • Blockierung (hörbar oder stumm)
    • z. B. „Ich --- kann das nicht“
  • Charakteristische Begleitsymptome
    • physische Anspannung
    • Mitbewegungen (Mimik, Gestik, Rumpf, Extremitäten)
  • Sprechintention unbeeinträchtigt (Betroffene wissen, was sie sagen möchten)

Symptome des Polterns1,3

  • Zu schnelle und/oder irreguläre Sprechweise
  • Unregelmäßige lautliche Auffälligkeiten
  • Zusammenziehen oder Auslassen von Silben und Ungenauigkeiten („Nuscheln“)
  • Auffälligkeiten von Pausen, Sprechrhythmus und Silbenbetonung
  • Stotteruntypische Unflüssigkeiten
    • z. B. Wort- und Satzteilwiederholungen statt Silbenwiederholungen
  • Beim Poltern im Gegensatz zum Stottern geringeres Symptombewusstsein und weniger starke psychosoziale Belastung

Begleitsymptome und Beeinträchtigungen1-3

  • Sprechängste
  • Vegetative Reaktionen (Erröten, Schwitzen)
  • Emotionale Belastung (Peinlichkeit, Scham, Frustration, Wut, innere Anspannung)
  • Veränderungen der Sprechweise (z. B. Flüstern, Singsang, Schreien)
  • Beeinträchtigungen der Kommunikation
  • Soziale Ängste und andere Angststörungen
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Vermeidungs- oder Umgehungsverhalten
    • z. B. keine mündliche Mitarbeit in der Schule
    • Kann zu unerkanntem Stottern führen (verdecktes Stottern).

Klinische Untersuchung

  • Allgemeine körperliche und orientierende neurologische Untersuchung
  • Beachtung möglicher Symptome neurologischer oder neuropsychiatrischer Erkrankungen1

Diagnostik bei Spezialist*innen

  • Der gesamte Abschnitt basiert auf diesen Referenzen.1-3
  • Ziel der Diagnostik
    • Erfassung der Kernsymptomatik (Stottersymptome)
    • Erfassung der Begleitsymptome sowie des Kommunikations- und Sozialverhalten (Aktivität und Teilhabe)
    • Erhebung der sozioemotionalen Belastung
    • Einbeziehung der Reaktionen aus dem sozialen Umfeld (Umweltfaktoren)
    • Bestimmung des Therapiebedarfs

Screening

  • Durchführung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (U7a, U8, U9)
  • Routinemäßige Befragung der Eltern auf Stottersymptome
  • Orientierende Beurteilung der Sprachentwicklung
  • Einsatz von Screeninginstrumenten

Beurteilung der Redeflussstörung

  • Spontansprachbewertung
  • Einschätzung durch nichtprofessionelle Beurteiler*innen und Selbsteinschätzungen
  • Aufzeichnung von Sprechproben
    • objektives Verfahren mit Untersuchung mehrerer Video- oder Audioaufzeichnungen von mind. 300 Silben pro Aufnahme
    • Beurteilung von:
      • Stotterhäufigkeit (% gestotterter Silben)
      • Dauer der längsten Stotterereignisse
      • Begleitverhalten.
    • wesentlich zur Festlegung des Stotterschweregrads
  • Psychometrische Testverfahren und Fragebögen
    • „Test of Childhood Stuttering“ (TOCS) in deutscher Fassung
    • „Stuttering Severity Instrument“ (SSI-4) in deutscher Fassung
    • „Overall Assessment of the Speakers' Experience with Stuttering“ (OASES)
    • Fragebogen für Kinder und Jugendliche zur Erfassung ihrer psychosozialen Belastung durch das Stottern
    • „Fluency Assessment Battery“ zur Beurteilung von Poltern

Weiterführende Diagnostik

  • Diagnostik auf psychische Begleitstörungen bei entsprechenden Hinweisen
  • Bei untypischer Präsentation (z. B. bei Stotterbeginn nach dem 12. Lebensjahr) Abklärung eines erworbenen neurogenen oder ein psychogenen Stotterns
    • apparative Diagnostik abhängig von der Verdachtsdiagnose (z. B. zerebrale Bildgebung bei vermuteter Hirnschädigung)

Indikationen zur Überweisung

  • Verdachtsdiagnose von Redeflussstörungen in der Regel durch Kinderärzt*innen1-3
    • z. B. im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (U7a, U8, U9)
  • Abhängig von der Dauer und dem Schweregrad der Redeflussstörung Überweisung zur Diagnostik und Behandlung12
  • Durchführung der weiterführenden Stotterdiagnostik1
    • erfolgt im Regelfall durch:
      • Phoniater*innen und Pädaudiolog*innen
      • Kinder und Jugendpsychiater*innen
      • Logopäd*innen/Sprachtherapeut*innen.
    • bei entsprechender Spezialisierung auch durch:
      • Pädiater*innen
      • psychologische Psychotherapeut*innen
      • Sonderpädagog*innen.

Therapie

Therapieziele

  • Verbesserung der Sprechflüssigkeit und der Kernsymptomatik1,3
  • Verringerung der sozio-emotionalen Belastung
  • Abbau von Beeinträchtigungen in Schule und Beruf
  • Förderung von Partizipation, Lebensaktivität und Lebensqualität1,3

Allgemeines zur Therapie

  • Indikation zur Therapie1,3
    • bei Stotterbeginn im Alter von 3–6 Jahren zunächst Beobachtung über 6–12 Monate
    • Therapiebeginn bei anschließend persistierendem Stottern
    • Ausnahmen mit Empfehlung zu sofortigem Therapiebeginn
      • Risikokonstellation für eine Stotterpersistenz
      • lang dauernde Stotterereignisse mit Kontrollverlust
      • Belastung von Eltern und/oder Kind
      • Beeinträchtigung von Teilhabe und Aktivität
  • Variable Rahmenbedingungen der Therapie in Abstimmung mit Betroffenen und Angehörigen1,3
    • ambulant oder stationär
    • Einzel- oder Gruppenbehandlung
    • intensiv oder extensiv
    • ggf. höhere Wirksamkeit von Intensivbehandlungen
  • Therapiebestandteile mit nachgewiesener Wirksamkeit1,3
    • intensive Anwendung des eingangs prolongierten Sprechens
    • Übungen in und vor Gruppen
    • Training von:
      • weichen Stimmeinsätzen
      • rhythmischem Sprechen
      • kontrollierter Atmung
      • geänderter Einstellung zum Sprechen
      • Alltagstransfer
      • Selbstbewertung und Selbstmanagement.
    • Abzielen auf Sprechnatürlichkeit
    • Einsatz von Erhaltungsprogrammen
  • Ergänzende Therapiebestandteile3
    • Geräte und Software (z. B. Sprechmetrum, Frequenzänderung)13-15
    • Biofeedbackverfahren
    • Anbindung an Selbsthilfevereinigungen
  • Therapie von Begleitsymptomen und Komorbiditäten2
    • individuelle Priorisierung der Abfolge der Therapien
    • z. B. soziale Ängste, weitere Angststörungen oder Depressionen
    • Vermeidungsverhalten als erlernte Reaktion auf das Stottern für Behandlungen meist gut zugänglich
  • Einsatz von Nachteilsausgleichen
    • z. B. zusätzliche Zeit oder Nutzung von Geräten in Prüfungssituationen
    • Können Belastungen in Schule und Beruf teilweise ausgleichen.3

Therapieverfahren

  • Der gesamte Abschnitt basiert auf diesen Referenzen.1,3,16-19

Sprechrestrukturierung

  • Verhaltenstherapeutische Übungsverfahren mit Erlernen eines neuen Sprechmusters
    • Kann ab einem Alter von 6 Jahren und soll ab einem Alter ab 12 Jahren eingesetzt werden.
    • starke Evidenz
    • Behandlungserfolge auch in der Therapie von Poltern
  • Häufige Formen: „Fluency Shaping“
    • zunächst stark verlangsamtes Sprechen
    • Training von weichen Stimmeinsätzen und kontinuierlicher Stimmgebung
    • schrittweise Erhöhung des Sprechtempos
  • Kasseler Stottertherapie (KST)
    • Beinhaltet zusätzlich Komponenten zur Reduktion von negativen Emotionen und den Einsatz von Übungssoftware.
    • Gehört zu den am besten validierten Verfahren zur Behandlung von Kindern im Schulalter und Jugendlichen.

Stottermodifikation

  • Sprechtechnik zur (ausschließlichen) Bearbeitung der auftretenden Stotterereignisse
    • anwendbar in jedem Alter
    • weniger starke Evidenz als Sprachrestrukturierung
  • Bei Stotterereignissen wird das Sprechen gestoppt und die Silbe geführt artikuliert.
  • Zusätzlich Desensibilisierungsübungen (z. B. gegenüber Zuhörerreaktionen)
  • Kombinationen mit Sprechrestrukturierung möglich

Lidcombe-Verfahren

  • Therapie auf dem Prinzip des operanten Lernens
    • Soll im Alter von 3–6 Jahren eingesetzt werden.
    • starke Evidenz und gute Langzeitwirkung
  • Verhaltensabhängige soziale Rückmeldung zur Steigerung des Anteils flüssigen Sprechens
  • Sanfte, unbelastende Korrekturen durch enge Bezugspersonen des Kindes (Co-Therapeut*innen) in strukturierten Spielsituationen, später in Alltagssituationen
  • Verhältnis zwischen Lob und Selbstkorrektur wichtig
    • sehr viel positive, wenig negative Verstärkung

Indirekte Methoden

  • Methoden zur indirekten Beeinflussung des Stotterns
    • anwendbar im Alter von 3–6 Jahren
    • starke Evidenz
  • Häufigstes Verfahren: RESTART-DCM (Demands and Capacities Model)
  • Schaffung individueller sprechflüssigkeitsfördernder Bedingungen
    • linguistische Vereinfachungen und Verlangsamungen (v. a. des Sprechvorbilds)
    • Interaktionsverhalten mit den Bezugspersonen (Wertschätzung, gelassene Reaktionen auf Stottern)
    • Behebung ungünstiger Bedingungen im Familienalltag (Alltagsroutinen)

Nicht empfohlene Therapien

  • Medikamentöse Therapien
    • Sollen nicht eingesetzt werden (starke negative Evidenz).1,3-4,12,20
  • Unspezifizierte Stottertherapien ohne festgelegtes Konzept
  • Hypnose
  • Rhythmisches Sprechen (als alleinige oder vorrangige Therapie)
  • Atemregulation (als alleinige oder vorrangige Therapie)

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlauf

  • Beginn von Stottern meist im Alter von 2–6 Jahren1-2
  • Remissionen häufig bis zur Pubertät (meist bis 4 Jahre nach Beginn)1
  • Eine dauerhafte Remission bezeichnet eine Spontansprache ohne stottertypische Unflüssigkeiten über mindestens 12 Monate.1

Komplikationen

Prognose

  • Spontane Remission des Stotterns in 70–80 % der Fälle1,3,6,19
    • häufig in den ersten 2 Jahren nach Manifestation
    • ansonsten meist bis zur Pubertät
  • Redeflussstörungen persistieren in bis zu 1% der Fälle lebenslang.2
  • Risikofaktoren für persistierendes Stottern3
    • männliches Geschlecht
    • familiäre Häufung (persistierenden) Stotterns
    • Manifestation im Alter > 3–4 Jahren
    • ausbleibende Abnahme des Schweregrads in den ersten 7–12 Monaten
  • Eine konkrete Prognose ist für den Einzelfall nicht absehbar.1

Verlaufskontrolle

  • Die Verlaufskontrollen erfolgen mittels der beschrieben Diagnostikinstrumente in regelmäßigen Abständen.
  • Eine Umstellung des Therapiekonzeptes bei fehlender Verbesserung ist nach 3 Monaten empfohlen.1,3

Patienteninformationen

Patienteninformation in Deximed

Patientenorganisationen

Quellen

Leitlinien

  • Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. (DGPP). Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 049-013. S3, Stand 2016 (abgelaufen). www.awmf.org

Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. (DGPP). Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 049-01. S3, Stand 2016 (abgelaufen). www.awmf.org
  2. Neumann K, Euler HA, Bosshardt HG, Cook S, Sandrieser P, Sommer M: Pathogenese, Diagnostik und Behandlung von Redeflussstörungen (Clinical practice guideline: The pathogenesis, assessment and treatment of speech fluency disorders). Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 383–90. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0383 www.aerzteblatt.de
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Autor*innen

  • Jonas Klaus, Arzt in Weiterbildung Neurologie, Hamburg
  • Die ursprüngliche Version dieses Artikels basiert auf einem entsprechenden Artikel im norwegischen hausärztlichen Online-Handbuch Norsk Elektronisk Legehåndbok (NEL, https://legehandboka.no/).

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