Ehrlich gesagt, die Begeisterung hält sich in Grenzen, wenn sich Patienten in der Praxis vorstellen, denen „irgendwie immer wieder so schwindlig“ ist. Das bedeutet nämlich, dass meist nach zeitaufwendiger Anamnese und Untersuchung keine eindeutige Diagnose zu stellen ist und den Patienten nicht wirklich konkret geholfen werden kann. Mit einer Beratung zu vagen Therapieoptionen und Selbstregulationsmechanismen sind meist weder Ärzte noch Patienten richtig zufrieden. Unser Artikel Schwindel liefert eine Übersicht über verschiedene Schwindelursachen, abwendbar gefährliche Verläufe und Red Flags. Er trägt so zur Unterscheidung zwischen den diffusen, nicht diagnostisch beweisbaren, und den organischen, diagnostizierbaren Differenzialdiagnosen bei.
Wichtig ist es zunächst einmal, abwendbar gefährliche Verläufe zu erkennen, die fast immer mit anderen wegweisenden Symptomen oder Befunden einhergehen. Neurologische Symptome und vertikaler Nystagmus deuten auf eine zentrale Ursache (z.B. Schlaganfall) hin, Gesichtsschmerzen und typische Hautveränderungen auf einen Herpes zoster, Hörstörungen und Ohrdruck auf einen M. Menière oder ein Akustikusneurinom, Synkope, Atemnot und Brustschmerzen auf eine Lungenembolie oder einen Myokardinfarkt. Auch an Herzrhythmusstörungen (z.B. höhergradiger AV-Block) sollte gedacht werden.
Am häufigsten sind aber in der Hausarztpraxis harmlose Schwindeldiagnosen, wie psychogener Schwindel oder benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, der auch gleich an Ort und Stelle mittels Lagerungsmanöver behandelt werden kann. Komplexer Schwindel („Altersschwindel“), zervikogener Schwindel, Orthostase, unerwünschte Medikamentennebenwirkungen (besonders bei Multimedikation), aber auch eine gewöhnungsbedürftige neue Brille gehören ebenfalls zu den alltäglichen Schwindelursachen.
Letztendlich bleiben in der Hausarztpraxis bis zu 70 % der Patienten ohne eindeutig nachgewiesene Schwindeldiagnose. Die Therapieoptionen sind bei nicht zuordenbarem Schwindel, noch unklarer Diagnose oder fehlender kausaler Therapiemöglichkeit unspezifisch und symptomatisch. So kann ein Versuch mit physikalischer Therapie gemacht werden. Antivertiginosa haben einen nachweisbaren Nutzen bei vertretbaren Nebenwirkungen. Ansonsten wird bei definitiver Diagnose eine Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Spezialisten empfohlen, z.B. bei Neuritis vestibularis.
Marlies Karsch, Chefredakteurin
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