Ärztliche Versorgung von Geflüchteten aus der Ukraine

Wir alle sind entsetzt über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und sehen täglich schreckliche Bilder vom Kriegsgeschehen und von traumatisierten, übermüdeten Geflüchteten. Wir haben das Bedürfnis zu helfen und fühlen uns machtlos. Wie nah uns die Ukraine ist, habe ich begriffen, als ich hörte, wie viele Menschen aus dem weiteren Bekanntenkreis, wie Eltern von Mitschüler*innen und ehemaligen Kindergartenkolleg*innen meiner Kinder und Neffen, aus der Ukraine stammen. Viele hoffen und bangen für ihre Familienmitglieder in der Ukraine. Ukrainer*innen flüchten in erster Linie in Nachbarländer, vor allem nach Polen. Aber viele kommen auch nach Deutschland, und es werden täglich mehr. Wie können wir helfen?

Geflüchtete, vor allem Ältere, Frauen und Kinder werden früher oder später ärztliche Hilfe brauchen und sich an Hausarztpraxen wenden. Es wird oft um Folgeverordnungen für Medikamente gehen, aber auch um Hilfe bei der Fortsetzung von komplexen Behandlungen, wie Tumortherapien. Viele Menschen, z. B. mit Diabetes, waren während ihrer Flucht schlecht medizinisch versorgt und brauchen dringend hausärztliche Unterstützung. Die Menschen, die den Krieg hautnah erlebt und ihre Partner und Väter zurückgelassen haben, sind schwer traumatisiert. Psychische Erkrankungen, wie PTBS, Angststörungen und Depressionen werden gehäuft auftreten, besonders auch bei Kindern. Die Impfquote gegen COVID-19 ist in der Ukraine niedrig, bei ca. 35 %. Einige der Geflüchteten gehören einer Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19 an.Geflüchtete aus der Ukraine haben Anspruch auf kostenlose COVID-19-Tests und -Impfungen an kommunalen Testzentren und bei beauftragten Leistungserbringern, auch ohne Krankenversicherungsnachweis.

Zunächst stellen sich auch zahlreiche organisatorische und bürokratische Fragen. In unserem Artikel Geflüchtete als Patient*innen finden Sie einige Erklärungen, z. B. zum Krankenversicherten-Status von Geflüchteten und zahlreiche weiterführende Links. Geflüchtete, die nach Deutschland kommen, wohnen oft bei Freunden oder Verwandten, die sie auch zu einem Arztbesuch begleiten können. Dennoch ist es nicht empfehlenswert, bei einem ärztlichen Gespräch Begleitpersonen als Dolmetscher*innen heranzuziehen, schon allein, um die Schweigepflicht nicht zu verletzen. Häufig ist auf die Schnelle niemand anderer verfügbar, aber Dolmetschen durch Bezugspersonen ist nur eine Notlösung. Informationen zum Dolmetschen im Gesundheitswesen bietet der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer. Ärzt*innen und Praxisteams in Bayern können sich an ein Ukraine-Hilfetelefon (089-54 49 71 99 oder ukraine-hotline@freie-wohlfahrtspflege-bayern.de) wenden, die Mitarbeiter*innen sprechen Ukrainisch, Deutsch, Russisch und Englisch. Informationen zum Impfen auf Ukrainisch stellen das RKI und medwatch.de bereit. Informationen für geflüchtete Familien sowie Informationen zum Schutz vor COVID-19 auf Ukrainisch sind bei der BZGA zu finden. Sicherheitshinweise für geflüchtete Frauen und Mädchen auf Ukrainisch stehen unter jadwiga-online.de

Auch wenn viele Geflüchtete privat einreisen und unterkommen, sollten sie sich bei Ankunft in einem Ankunftszentrum registrieren lassen, auch um Hilfsleistungen und eine Krankenversicherung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu erhalten. Weitere Informationen und Adressen von Ankunftszentren in den einzelnen Bundesländern sind auf medwatch.de zu finden. In Ankunftszentren besteht auch die Möglichkeit einer medizinischen Versorgung und Impfung. Weitere Informationen hierzu und zu den Beratungsstellen (Flüchtlingsräte der Bundesländer) für Geflüchtete bietet die Seite proasyl.de.

Aktuelle Informationen zur Regelung des Aufenthaltsstatus und weitere praktische Informationen für Geflüchtete aus der Ukraine bieten ebenfalls proasyl.de, der Informationsverbund Asyl und Migration sowie die Seiten des Bundesinnenministeriums (BMI) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Für alle, die für die Menschen in der Ukraine spenden möchten, listet z. B. die Seite tagesschau.de die Adressen und Bankverbindungen zahlreicher Hilfsorganisationen auf.

Wir alle möchten angesichts der schlimmen Nachrichten und schrecklichen Bilder helfen, wo es nur geht. Besonders wichtig ist es, sich hierfür gut zu vernetzen und zu informieren. Sollten Sie über weitere hilfreiche Informationen und Adressen verfügen, bitte ich um kurze Nachricht (über die Sprechblase rechts oben). Ich werde diese Informationen dann zeitnah in diesem Artikel zur Verfügung stellen.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

 

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