Allgemeine Information
- Körperliches Training ist unstrittig bei vielen Krankheiten ein wichtiges Therapiemodul.
- Insbesondere bei Patient*innen mit eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit kann die Trainingssteuerung schwierig sein, eine Unterforderung hat nicht den gewünschten Effekt, eine Überforderung gilt es zu vermeiden.
- Beanspruchungsintensität bei gesunden Personen lässt sich gut durch Sauerstoffaufnahme, Herzfrequenz, Atemfrequenz und Blutlactatwerte erfassen.1
- Ein weiteres Instrument ist das individuelle Empfinden und Einschätzen einer Anstrengung und Belastung, hierzu ist die Borg-RPE-Skala (RPE-[Ratings of Perceived Exertion]-Scale) geeignet.2 Zahlen zwischen 6 und 20 geben die verschiedenen Belastungsgrade an, linear steigend, den Zahlen liegt ungefähr die Herzfrequenz bei Gesunden (geteilt durch 10) zugrunde.
- Das Anstrengungsempfinden korreliert mit der Herzfrequenz.
Anwendung
- Die Skala ist geschlechts- und altersunabhängig.
- Die subjektive Wahrnehmung der Belastung wird bestimmt durch Luftnot, Muskelerschöpfung und allgemeine Erschöpfung, auch Wärme und Schwitzen wird als Anstrengung wahrgenommen.
- Einflussgrößen auf das Leistungsempfinden sind Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Höhe, Schadstoffe in der Luft, Lärm und auch Musik.1
- Als Trainingsberatung kann eine individuelle Intensität mit einem Anstrengungsempfinden von „sehr leicht" bis „etwas anstrengend" je nach Krankheitsbild empfohlen werden.
- Bei Bewegungstherapie zu gesundheitlichen Zwecken ist es besser, länger im Bereich unterer bis mittlerer Intensität zu trainieren als kürzer und in höheren Intensitätsbereichen.
- So erfolgt z. B. in der kardiovaskulären Rehabilitationsplanung die Festlegung der kardiovaskulären Belastbarkeit, der Belastungsgrenzen und des individuellen Trainingsbereichs optimalerweise im Kontext objektiver Belastung (Watt, HF, VO2peak) und subjektiver Beanspruchung (z. B. Borg-Skala).3
- Begonnen wird mit der geringsten Anstrengungsempfindung (Borg 6), im weiteren Verlauf wird gesteigert, und das Training wird auch mit der Borg-Skala überwacht.
Anleitung zum Gebrauch der RPE-Skala
- Der Abschnitt basiert auf dieser Referenz.1
- Folgende Anleitung ist zu Beginn des Belastungstests empfohlen:
- Ich will Ihr Anstrengungsempfinden während der Belastung bestimmen. Das heißt, ich will feststellen, wie anstrengend für Sie das Ergometertraining/die Laufbandleistung ist. Das Anstrengungsempfinden hängt von der Beanspruchung und Ermüdung der Muskulatur ab, ferner von Atemlosigkeit (bzw. Luftnot) oder Brustschmerzen.
- Auf dieser Skala bedeutet 6 überhaupt nicht anstrengend, und 20 steht für eine maximale Anstrengung.
- > 9 entspricht einer sehr leichten Anstrengung, wie bei einer Normalperson das normale Gehen im eigenen Tempo.
- > 13 bedeutet etwas anstrengend. Man kann bei der Belastung aber gut weitermachen.
- > 15 ist anstrengend und schwer, aber Fortfahren ist noch möglich.
- > 17 ist sehr anstrengend. Sie können die Belastung noch weitermachen, Sie müssen sich aber sehr anstrengen und sind bald erschöpft.
- > 19 bedeutet sehr, sehr anstrengend. Für die meisten Personen ist dies die stärkste Belastung, die sie jemals erlebt haben.
- Versuchen Sie, Ihr Anstrengungsempfinden so spontan und ehrlich wie möglich anzugeben. Versuchen Sie, die Anstrengung weder zu über- noch zu unterschätzen. Ihre eigene Empfindung von Leistung und Anstrengung ist wichtig, nicht der Vergleich zu anderen. Schauen Sie auf die Skala und die begleitenden Worte, und geben Sie eine Zahl an.1
- Eine praktikable Visualisierung der Borg-Skala bietet das Schweizerische Bundesamt für Sport.4
Quellen
Literatur
- Borg, G. Anstrengungsempfinden und körperliche Aktivität. Dtsch Arztebl 2004 www.aerzteblatt.de
- BORG, G. (1982) Psychophysical bases of perceived exertion. Medicine and Science in Sports and Exercise 14 (5), S. 377–381 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Leitlinie zur kardiologischen Rehabilitation (LL-KardReha) im deutschsprachigen Raum Europas (Deutschland, Österreich, Schweiz D-A-CH). AWMF-Nr. 133-001. S3, Stand 2020. www.awmf.org
- Schweizerisches Bundesamt für Sport. Borg-Skala www.mobilesport.ch
Autorin
- Monika Lenz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Neustadt am Rübenberge